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Wie funktionieren Spielautomaten?
Wenn die Walzen anfangen, sich zu drehen, ist das Ergebnis schon gezogen. Ein Zufallsgenerator hat es bestimmt, als du auf Start gedrückt hast, und eine Tabelle, die du nie siehst, legt fest, wie oft jedes Symbol fällt. Was danach über den Bildschirm rollt, ist die Vorführung.
- Mit eigener Modellrechnung
Geprüft am Rechtsstand: §§ 6e, 22a GlüStV 2021 · § 33c GewO · §§ 7, 12 SpielV
Die Walze, die du nicht siehst
Wie funktionieren Spielautomaten mit Zufallsgenerator?
In jedem heutigen Automaten arbeitet ein Zufallsgenerator, ein Programm, das Zufallszahlen erzeugt. Drückst du auf Start, holt sich das Spiel in diesem Augenblick seine Zahlen. Welche es werden, lässt sich nicht vorhersagen, auch nicht mit dem perfekten Timing beim Drücken.
Genau so will es das Gesetz: Bei erlaubten Online-Automaten müssen die Gewinnaussichten zufällig sein und jedem Spieler gleiche Chancen bieten (§ 22a Abs. 3 GlüStV 2021).
Für ein Gerät in der Spielhalle muss der Hersteller dasselbe schriftlich erklären, wenn er die Zulassung beantragt (§ 12 Abs. 2 SpielV).
Ein Spin in fünf Schritten
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Einsatz
Du wählst den Einsatz und drückst Start. Der Betrag ist sofort abgebucht, egal wie die Runde ausgeht.
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Zufallszahl
Der Generator liefert für jede Walze eine Zahl. Mehr Zufall gibt es in der ganzen Runde nicht.
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Tabelle
Eine Tabelle übersetzt jede Zahl in eine Halteposition auf der Walze. In ihr steckt die Mathematik des Spiels.
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Auswertung
Das Spiel gleicht die Symbole auf den Gewinnlinien mit dem Gewinnplan ab und rechnet den Gewinn aus.
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Vorführung
Jetzt erst drehen sich die Walzen, bremsen ab und halten dort, wo das Ergebnis längst lag. Ein Spiel dauert online im Schnitt mindestens fünf Sekunden.
22 Felder auf der Walze, 64 in der Tabelle
Bei den alten mechanischen Automaten war die Rechnung offen. Eine Walze hatte rund 20 Haltepositionen, und jede kam gleich oft. Wer die Symbole zählte, kannte die Chancen.
1984 bekam Inge Telnaes ein US-Patent, das damit Schluss machte. Jede Halteposition bekommt im Zufallsgenerator eine oder mehrere Nummern. Eine Position mit vielen Nummern fällt oft, eine mit nur einer selten.
So lassen sich laut Patentschrift beliebige Gewinnchancen einstellen, ohne an der Maschine selbst etwas zu ändern. In der Fachliteratur heißt das virtuelle Walze.
Was das bedeutet, zeigt ein Rechenbeispiel mit Werten, die auch in der Forschung als Modell dienen: 22 sichtbare Positionen pro Walze, 64 Nummern im Generator.
Das Topsymbol steht einmal auf der Walze und bekommt genau eine Nummer. Die Walze verspricht dir 1 zu 22. Die Tabelle rechnet mit 1 zu 64.
Dieselbe Walze, zweimal gerechnet
- Chance auf das Topsymbol pro Walze, laut Tabelle
- 1 : 64
- die sichtbare Walze lässt 1 : 22 vermuten
- so viel seltener sind drei Topsymbole, als es aussieht
- 24,6 ×
- 1 : 262.144 statt 1 : 10.648
- Spielzeit, bis es im Schnitt einmal klappt
- 364 h
- bei 720 Spins pro Stunde
Eigene, vereinfachte Modellrechnung, kein echtes Spiel. 22 Positionen und 64 Nummern wie im Beispielspiel bei Harrigan (2007).
Am Bildschirm erkennst du davon nichts. Die Walze zeigt dir, welche Symbole es gibt. Wie oft sie fallen, steht in keinem Gewinnplan.
Warum das Topsymbol so oft knapp danebenliegt
Weil die Leerfelder direkt neben dem Topsymbol in der Tabelle besonders viele Nummern bekommen können.
Der Forscher Kevin Harrigan von der University of Waterloo in Kanada hat 2007 ein Beispielspiel Position für Position durchgerechnet. Auf der ersten Walze landete das höchste Symbol in 3,1 % der Spins auf der Gewinnlinie. Direkt darüber stand es in 12,5 %, also viermal so oft.
Fällt eines dieser Leerfelder, steht das große Symbol gut sichtbar eine Reihe daneben. Wer nur auf die Symbole über der Linie schaut, käme in Harrigans Beispiel auf eine Auszahlungsquote von 193 bis 486 %. Tatsächlich zahlte das Spiel 85,6 bis 92,5 % aus.
So entsteht das Gefühl, ganz nah dran gewesen zu sein. Für den Generator gibt es kein „knapp“, eine Runde ist gewonnen oder verloren.
Ob ein bestimmtes Spiel so gebaut ist, verrät dir kein Gewinnplan. Die Vorgaben der GGL für einzelne Online-Automaten erwähnen Beinahe-Treffer nicht.
Gewonnen und trotzdem Geld verloren
Moderne Automaten haben oft fünf Walzen und 10, 20 oder mehr Gewinnlinien. Dein Einsatz verteilt sich auf alle Linien: Bei 20 Linien zu je 5 Cent kostet ein Spin 1 €.
Wie die Linien gewertet werden, muss in den Spielregeln stehen: von welcher Seite, ab welcher Walze und dass die Symbole zusammenhängen müssen. So verlangt es die GGL.
Bringt eine Linie 40 Cent, blinkt es, ein Zähler läuft hoch, irgendwo klingelt es. Unterm Strich fehlen dir 60 Cent. Forscher nennen so ein Ergebnis einen als Gewinn verkleideten Verlust, im Englischen loss disguised as win.
Wie stark wirkt die Verkleidung?
Das haben Mike Dixon und Kollegen 2010 gemessen. 40 Neulinge spielten an einem Automaten mit vielen Linien, dabei wurde ihre Hautleitfähigkeit erfasst, ein Maß für körperliche Erregung.
Nach Scheingewinnen reagierte der Körper ähnlich wie nach echten Gewinnen und deutlich stärker als nach gewöhnlichen Verlusten. Die Autoren halten das für bedeutsam für die Entstehung von Spielproblemen, weil Erregung als wichtiger Verstärker beim Glücksspiel gilt.
Was eine Runde gebracht hat, zeigt dir nur das Guthaben. Die Gewinnanzeige meldet, was zurückkam, und schweigt darüber, was du dafür bezahlt hast.
Was ist ein Feature bei Spielautomaten?
Feature heißt alles, was über das normale Drehen hinausgeht: Extra-Drehungen ohne neuen Einsatz, Zusatzrunden, Multiplikatoren, das Risikospiel. Ausgelöst werden Features vom selben Zufallsgenerator wie jeder andere Spin, meist durch bestimmte Symbole.
Geschenkt ist dabei nichts. Was Extra-Drehungen und Zusatzrunden auszahlen, ist von Anfang an in die Auszahlungsquote eingerechnet. Bei gleicher Quote bleibt für die normalen Spins dann eben weniger übrig.
Wie unterschiedlich sich zwei Spiele mit derselben Quote anfühlen, haben wir bei der Schwankung von Automaten durchgerechnet.
Was gilt für das Risikospiel?
Beim Risikospiel kannst du einen Gewinn verdoppeln oder ganz verlieren. Erlaubt ist es nur, wenn die Spielregeln den Ablauf erklären und ausdrücklich auf die tatsächliche Wahrscheinlichkeit hinweisen. Dazu verlangt die GGL:
- Die Grafik darf keinen anderen Eindruck erwecken.
- Beim Kartenraten muss das Spiel sagen, dass die schon gezeigten Karten nichts über die Farbe der nächsten verraten.
- Multiplikatoren muss es vollständig aufzählen, eine Spanne reicht nicht.
Wie sind Spielautomaten eingestellt?
Fest, bevor du zum ersten Mal drückst, und von außen geprüft. Ein Online-Anbieter mit Erlaubnis darf ein Automatenspiel erst anbieten, wenn die Behörde genau dieses Spiel erlaubt hat.
Sie bekommt dafür eine Version des Spiels zur Prüfung, und wesentliche Änderungen brauchen eine neue Erlaubnis (§ 22a Abs. 1 GlüStV 2021). Welche Mindestanforderungen sie stellt, hat die GGL 2024 in Auslegungshinweisen veröffentlicht.
Wo steht die Chance auf den Höchstgewinn?
Dort, wo du den Einsatz wählst, und zwar dauerhaft. Sie ist die aufschlussreichste Zahl am Spiel. In einem Formulierungsbeispiel der GGL lautet sie für den Höchsteinsatz 1 zu 72.939.461.
Bei 720 Spins pro Stunde dauert es im Schnitt gut 101.000 Stunden bis zum ersten Treffer. Das sind elfeinhalb Jahre, Tag und Nacht.
Und in der Spielhalle?
Dort gilt ein eigenes System aus dem Gewerberecht. Aufgestellt werden darf nur ein Gerät, dessen Bauart die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) zugelassen hat (§ 33c GewO).
Der Hersteller reicht dafür ein Mustergerät ein. Dazu kommt ein Gutachten darüber, dass das Gerät gegen Veränderungen gesichert ist. Erstellen muss es eine vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik anerkannte oder eine gleichwertige Prüfstelle (§ 12 SpielV). Befristet ist die Bauartzulassung auf ein Jahr.
Gegen Manipulation arbeitet die Software mit Prüfsummen. Ihre Werte werden vor dem ersten Einsatz bestimmt, bei der PTB hinterlegt und veröffentlicht, so beschreibt es eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags von 2016.
Ändert jemand die Software, ändern sich die Prüfsummen. Spätestens 24 Monate nach der Aufstellung oder der letzten Prüfung kontrolliert ein vereidigter Sachverständiger oder eine von der PTB zugelassene Stelle, ob das Gerät noch der zugelassenen Bauart entspricht.
Bestanden heißt: Prüfplakette am Gerät (§ 7 SpielV). Ist die Frist abgelaufen, muss der Aufsteller das Gerät aus dem Verkehr ziehen.
Wie viel ein Spielhallengerät pro Stunde kosten darf, legt die Spielverordnung mit festen Grenzen fest. Die stehen im Vergleich von Online-Automat und Spielhalle.
Wer was prüft
| Erlaubt wird | Online jedes einzelne Spiel, von der GGL · In der Spielhalle die Bauart des Geräts, von der PTB |
|---|---|
| Vor dem Start | Bei Online-Spielen testet eine unabhängige Stelle den Zufallsgenerator · In der Spielhalle prüft die PTB ein Mustergerät, dazu kommt ein Gutachten zur Manipulationssicherheit |
| Im laufenden Betrieb | Den Zufallsgenerator eines Online-Spiels mindestens einmal im Jahr · Das Spielhallengerät spätestens alle 24 Monate |
| Die Prüfung bezahlt | Der Online-Anbieter · In der Spielhalle der Aufsteller (Nachprüfung) |
| Das siehst du davon | Online die Auszahlungsquote und die Chance auf den Höchstgewinn beim Einsatz · In der Spielhalle die Prüfplakette am Gerät |
Quellen: §§ 6e, 22a GlüStV 2021, § 33c GewO, §§ 7, 12 SpielV, GGL-Auslegungshinweise 2024. Stand: Oktober 2026.
Gibt es Tricks für Spielautomaten?
Nein. Jeder Dreh holt sich neue Zufallszahlen, deshalb gibt es keine günstige Uhrzeit, keinen besseren Wochentag und keinen Automaten, der „fällig“ ist. Ein Gerät, das lange nichts gezahlt hat, zahlt danach nicht eher. Eines, das gerade viel ausgeschüttet hat, wird auch nicht geiziger.
Dasselbe gilt für die Risikoleiter und das Kartenraten nach einem Gewinn. Was die GGL dafür vorschreibt, haben wir oben bei den Features erklärt.
Beeinflussen kannst du nur deine Kosten: wie lange du spielst und wie viel du pro Dreh setzt. Was eine Stunde am Automaten im Schnitt kostet, haben wir nachgerechnet.
Wo Spielprobleme am häufigsten sind
Fast jeder Dritte, der im vergangenen Jahr online an Automaten gespielt hat, erfüllt die Kriterien einer Glücksspielstörung. Beim Lotto ist es etwa jeder Zwanzigste.
Das zeigt der Glücksspiel-Survey, eine Befragung von über 12.000 Menschen in Deutschland durch das ISD Hamburg und die Universität Bremen. Gefördert hat die Ausgabe 2025 der Deutsche Lotto- und Totoblock.
Die Autoren schränken selbst ein: Bei selteneren Spielformen ist die Unsicherheit groß. Bei Online-Automaten reicht die statistische Spanne von 22,3 bis 44,6 %. Viele spielen außerdem mehrere Spiele.
Ob Automaten die Probleme auslösen oder Menschen mit Problemen bei Automaten landen, kann eine Befragung nicht trennen. Wenn du merkst, dass du länger spielst als geplant oder Verluste zurückholen willst, findest du Warnzeichen und Hilfe bei uns.
Anteil mit Glücksspielstörung unter den Spielern
- Online-Automaten
- 32,5 %
- Automaten in Spielbanken
- 28,1 %
- Spielhalle und Gaststätte
- 23,4 %
- Lotto 6aus49
- 5,3 %
Glücksspiel-Survey 2025 (Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke 2026): 18- bis 70-Jährige, die das Spiel in den letzten zwölf Monaten gespielt haben; Störung nach DSM-5.
Von der Glocke zum Chip
Den ersten Automaten mit drei Walzen und Münzeinwurf baute Charles August Fey 1895 in San Francisco.
Ab 1897 fertigte er seine Geräte in einer Werkstatt an der Market Street, bis Erdbeben und Feuer sie 1906 zerstörten. An der Market Street erinnert heute eine Gedenktafel des Staates Kalifornien an die Erfindung.
Knapp 90 Jahre lang bestimmte danach die Mechanik, wo eine Walze stehen blieb. Mit dem Patent von 1984 übernahm der Zufallsgenerator, und mit ihm kam die Tabelle. Die Walzen sind seitdem Kulisse.
Quellen
Änderungsprotokoll
- Für Handys neu gegliedert: kürzere Absätze, Zwischenfragen zu Scheingewinnen, Risikospiel, Höchstgewinn und Spielhalle, Bild zum Scheingewinn.
- Neuer Abschnitt: Gibt es Tricks für Spielautomaten?
- Erklärfilm zur versteckten Walzentabelle eingefügt. Sprachliche Korrekturen, Überschrift zum Suchtrisiko neutraler gefasst.
Ältere Änderungen anzeigen (1)
- Erstveröffentlichung.