Regulierung · Ratgeber
Ist Online Glücksspiel legal in Deutschland?
Ja, Online Glücksspiel ist legal, aber nur mit einer deutschen Erlaubnis und nicht für jedes Spiel. Online-Automaten, Poker, Sport- und Pferdewetten und Lotterien dürfen im Netz angeboten werden, wenn eine deutsche Behörde es erlaubt hat.
Roulette und Blackjack online nur in den Ländern, die das selbst zulassen. Ohne Erlaubnis greift das Strafrecht, für den Anbieter und für dich als Spieler.
Das klingt nach einer Drohung, die nur auf dem Papier steht. Die Zahlen aus den Ländern sagen etwas anderes: In Baden-Württemberg wurde 2025 häufiger gegen Spieler ermittelt als gegen Anbieter.
Geprüft am Rechtsstand: §§ 3, 4 GlüStV 2021 · §§ 284, 285 StGB (Stand 10/2026)
- Höchststrafe für Spieler
- ½ Jahr
- sechs Monate Haft oder Geldstrafe, § 285 StGB
- bis die Teilnahme verjährt
- 3 Jahre
- § 78 Abs. 3 Nr. 5 StGB
- der Fälle betrafen Spieler
- 63 %
- 298 von 470, Baden-Württemberg 2025
Strafgesetzbuch; Landtag Baden-Württemberg, Drucksache 18/181
Wann Online Glücksspiel legal ist
Ein einzelnes Glücksspielgesetz gibt es in Deutschland nicht. Das Glücksspielrecht steht vor allem im Glücksspielstaatsvertrag der Länder, in ihren Ausführungsgesetzen und im Strafgesetzbuch.
Öffentliches Glücksspiel darf in Deutschland nur veranstalten oder vermitteln, wer eine Erlaubnis der zuständigen Behörde hat (§ 4 Abs. 1 GlüStV 2021). Fehlt sie, spricht der Staatsvertrag von unerlaubtem Glücksspiel. Verboten ist dann auch, an Zahlungen dafür mitzuwirken.
Was online erlaubt werden kann
Im Internet ziehen die Länder die Grenze enger. Grundsätzlich ist öffentliches Glücksspiel dort verboten, eine Erlaubnis gibt es nur für diese Spielarten (§ 4 Abs. 4):
- Lotterien, Sport- und Pferdewetten
- Online-Automaten, im Gesetz „virtuelle Automatenspiele“, und Online-Poker
- Online-Casinospiele wie Roulette, nur in Ländern, die sie selbst zulassen
Bei Automaten, Poker und Casinospielen im Netz darf nur der Anbieter selbst vertreiben, Vermittler sieht der Vertrag dort nicht vor.
Hat mein Anbieter eine Erlaubnis?
Das zeigt die Whitelist der GGL. Eine ausländische Lizenz ersetzt die deutsche Erlaubnis nicht, auch keine aus einem anderen EU-Staat. Wer welche Erlaubnis erteilt, erklärt unser Ratgeber zum Glücksspielstaatsvertrag.
Welche Auflagen gelten für erlaubte Anbieter?
Minderjährige und gesperrte Spieler muss der Anbieter ausschließen, Geld leihen darf er dir nicht (§ 4 Abs. 5).
Bietet er mehrere Spielarten auf einer Seite an, braucht jede einen eigenen Bereich. Wechselst du vom Automaten zur Sportwette, darfst du frühestens nach einer Minute weiterspielen. Einen Gewinn aus dem einen Bereich kannst du erst nach einer Stunde im anderen einsetzen.
Wann ein Spiel als Glücksspiel zählt
Für das Gesetz braucht es zwei Dinge: Du zahlst etwas für die Chance auf einen Gewinn, und ob du gewinnst, entscheidet ganz oder überwiegend der Zufall (§ 3 Abs. 1).
Ein Gewinnspiel, bei dem du nichts einsetzt, ist deshalb kein Glücksspiel, auch wenn am Ende gelost wird. Dasselbe gilt für ein Spiel, bei dem das Können überwiegt. Bei Wetten auf künftige Ereignisse unterstellt das Gesetz dagegen immer Zufall, egal wie gut du dich auskennst.
Ist die private Pokerrunde strafbar?
Nein, solange der Kreis feststeht. Strafbar wird ein Spiel erst, wenn es öffentlich ist: sobald ein größerer Kreis mitmachen kann, der nicht von vornherein feststeht (§ 3 Abs. 2).
Die Runde mit Freunden am Küchentisch gehört nicht dazu. Ein Abend, der sich regelmäßig im Vereinsheim wiederholt, kann dagegen schon öffentlich sein, denn gewohnheitsmäßiges Spiel in Vereinen und geschlossenen Gesellschaften zählt mit.
Ein Angebot im Internet steht in aller Regel jedem offen.
Machst du dich als Spieler strafbar?
Ja. Wer sich an einem öffentlichen Glücksspiel ohne Erlaubnis beteiligt, dem drohen bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen (§ 285 StGB).
Strafbar ist das nur mit Vorsatz. Dafür reicht es aber, wenn du für möglich hältst, dass das Angebot verboten ist, und es dir egal ist.
Die Verfolgung verjährt bei der Beteiligung nach drei Jahren, weil das Gesetz höchstens sechs Monate Freiheitsstrafe vorsieht (§ 78 Abs. 3 Nr. 5 StGB).
Der Fall aus München
Das Amtsgericht München hat 2014 genau so entschieden. Ein 25-Jähriger hatte online Black Jack gespielt, bei einem Anbieter ohne deutsche Erlaubnis, dessen Mutterfirma in Gibraltar saß.
In den Nutzungsbedingungen stand, dass Internet-Glücksspiel in manchen Ländern verboten ist und man die eigenen Gesetze prüfen soll. Das hätte er lesen müssen, fand das Gericht.
Auch die Werbung mit Prominenten half ihm nicht: Sie galt Sportwetten, und dass Black Jack etwas anderes ist, wisse auch ein Laie.
Er bekam eine Geldstrafe von 2.100 €. Die 63.490 € Gewinn, die bei ihm sichergestellt worden waren, zog das Gericht ein. Rechtskräftig war das Urteil damals noch nicht.
Wie oft es tatsächlich Spieler trifft
Oft, aber nur selten bis zu einer Verurteilung. Eine bundesweite Zahl nur zu Spielern haben wir nicht gefunden. Mehrere Landesregierungen haben aber auf Anfragen ihrer Parlamente Zahlen genannt, wir haben sie nebeneinandergestellt.
Was die Länder und die GGL berichten
| Baden-Württemberg 2025 | 470 erfasste Fälle illegalen Glücksspiels: 298 wegen Beteiligung, also gegen Spieler, 168 wegen Veranstaltens, 3 wegen Werbung, 1 wegen einer Lotterie |
|---|---|
| Bayern 2023 bis 2025 | 1.185 erfasste Fälle im Jahr 2024, 555 im Jahr 2025. Verurteilt wegen Beteiligung: 15 Menschen (2023) und 34 (2024). Wegen Veranstaltens, Werbung oder unerlaubter Lotterie: 21 und 27 |
| Berlin 2021 bis 2024 | Abgeschlossene Ermittlungsverfahren wegen Beteiligung: 157, 36, 114 und 304. Der größte Teil dürfte laut Senat Online-Glücksspiel betreffen |
| Mecklenburg-Vorpommern 2021 bis 2024 | 3, 5, 99 und 77 erfasste Fälle. Den Anstieg erklärt die Landesregierung vor allem mit Zahlungen von Spielern aus dem Land an illegale Online-Angebote |
| GGL 2023 | 104 Strafanzeigen gegen Anbieter und Werbende. Die Staatsanwaltschaft Halle hat alle eingestellt |
Erfasste Fälle: Polizeiliche Kriminalstatistik, gezählt bei Abgabe an die Staatsanwaltschaft, keine Urteile. Verurteilte: Strafverfolgungsstatistik, gezählt wird nur die schwerste Tat. Stand der Antworten: April 2025 bis Juli 2026.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens trifft es eher die Spieler. Wer ein illegales Casino aus dem Ausland betreibt, ist für deutsche Ermittler schwer zu greifen.
Die Staatsanwaltschaft Halle hielt § 284 StGB auf die Anzeigen der GGL gar nicht für anwendbar. Spieler wohnen dagegen hier, und ihr Geld läuft über Banken und Zahlungsdienste, die Spuren hinterlassen.
Zweitens landet nur ein kleiner Teil vor Gericht. In Bayern standen 2024 den 1.185 erfassten Fällen 61 Verurteilte gegenüber.
Ganz sauber vergleichen lässt sich das nicht, weil ein Verfahren oft erst im Folgejahr endet. Die Größenordnung bleibt trotzdem: Die meisten Verfahren enden ohne Urteil.
Was dir außer einer Strafe droht
Gewinne kann das Gericht einziehen, wie im Münchner Fall. Einen Anspruch auf Auszahlung, den du hier durchsetzen könntest, hast du nicht. Was dann noch geht und was aus deinen Verlusten wird, steht im Ratgeber zu nicht ausgezahlten Gewinnen.
Dazu kommt, was fehlt. Ein Anbieter ohne Erlaubnis hat keinen Zugang zur Sperrdatei und ist nicht an die Limitdatei angeschlossen. Die Schutzregeln, die bei erlaubten Anbietern selbstverständlich sind, gibt es dort nicht.
Werbung für illegale Angebote
Strafbar macht sich auch, wer für ein unerlaubtes Glücksspiel wirbt: bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (§ 284 Abs. 4 StGB). Der Staatsvertrag verbietet solche Werbung zusätzlich (§ 5 Abs. 7 GlüStV 2021), und die GGL setzt das durch.
Zählt Streamen als Werbung?
Ja, laut GGL schon das Streamen der eigenen Teilnahme. Im April 2026 ließ sie dem Rapper Capital Bra ein Zwangsgeld von 250.000 € zustellen, weil er eine Untersagung nicht befolgt hatte.
Laut GGL hatte er sich beim Spielen auf illegalen Seiten gefilmt, Werbebanner geschaltet und eine Vergleichsseite für illegale Anbieter betrieben.
Ein Casino, das dir ein Streamer vorspielt, wird dadurch also nicht legal. Welche Regeln für die Werbung erlaubter Anbieter gelten, haben wir anhand der Antworten der GGL zur Werbung zusammengefasst.
Quellen
Änderungsprotokoll
- Für Handys neu gegliedert: kürzere Absätze, Zwischenfragen, Liste der online erlaubten Spielarten, Bild zu „öffentlich“.
- Zwangsgeld gegen den Rapper Capital Bra mit Link zur Meldung ergänzt. Zahlen zu Ermittlungen gegen Spieler genauer zugeordnet (Baden-Württemberg 2025).
- Erstveröffentlichung.