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Spielsucht: Anzeichen, Hilfe und Behandlung
Hilfe bei Spielsucht ist kostenlos: am Telefon, online und in Beratungsstellen vor Ort, auf Wunsch ohne deinen Namen.
Typische Anzeichen: Du spielst länger als geplant, jagst Verlusten hinterher und verheimlichst, wie viel du spielst.
Was Spielsucht ist
Spielsucht ist eine anerkannte Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation führt sie als Glücksspielstörung. Drei Merkmale machen sie aus: Du hast das Spielen nicht mehr unter Kontrolle, es wird wichtiger als andere Dinge in deinem Leben, und du machst weiter, obwohl es dir schadet.
Wie heißt Spielsucht in der Diagnose?
- F63.0 „Pathologisches Spielen“ nach der ICD-10-GM. Mit ihr werden in Deutschland Diagnosen verschlüsselt, etwa in Arztbriefen und bei der Abrechnung mit der Krankenkasse.
- 6C50 Glücksspielstörung in der neuen ICD-11 der WHO. Dort steht sie bei den Störungen durch Verhaltenssüchte, mit eigenen Codes für überwiegend online und überwiegend offline.
Wie viele Menschen sind spielsüchtig?
Laut Glücksspiel-Survey 2025 erfüllen 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen in Deutschland die Kriterien einer Glücksspielstörung. Bezahlt hat die Befragung der Deutsche Lotto- und Totoblock. Bei welchen Spielen der Anteil am höchsten ist, steht im Ratgeber zu Spielautomaten.
Eine reine Telefonumfrage kam 2026 auf deutlich weniger. Warum die Zahlen so weit auseinanderliegen, erklärt unser Magazin-Stück zu den Spielsucht-Zahlen.
Anzeichen für Spielsucht
Spielsucht beginnt selten von einem Tag auf den anderen. Beratungsstellen nennen immer wieder dieselben Anzeichen:
- Du spielst länger oder mit mehr Geld, als du wolltest.
- Du versuchst, Verluste wieder hereinzuholen.
- Du verheimlichst, wie viel du spielst.
- Du leihst dir Geld zum Spielen.
- Du wirst unruhig oder gereizt, wenn du nicht spielen kannst.
Kommen dir mehrere Punkte bekannt vor, ist das kein Urteil über dich. Es ist ein guter Moment, mit jemandem zu reden.
Wo du Hilfe bekommst
Die meisten Angebote kommen vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Alle sind kostenlos.
- Am Telefon berät dich die BIÖG-Telefonberatung, anonym und kostenlos, auch in mehreren Sprachen. Die Nummer steht unten auf jeder Seite.
- Auf check-dein-spiel.de gibt es einen Schnelltest mit drei Fragen und einen ausführlicheren Selbsttest.
- Dort findest du auch eine Online-Beratung, die anonym bleibt, und mit „Check Out“ ein Programm, das dich beim Aufhören begleitet.
- Lieber persönlich? Die Suche „Hilfe vor Ort“ zeigt Beratungsstellen in der Nähe deines Wohnorts. Welche Stelle in deinem Land zuständig ist, zeigt unsere Übersicht der 16 Bundesländer.
Behandlung und wer sie bezahlt
Der erste Schritt ist fast immer eine Suchtberatungsstelle. Die Beratung dort kostet nichts, und die Beratungsstelle hilft dir, eine Behandlung zu beantragen.
Ambulant oder stationär?
Ambulant heißt: neben Arbeit und Alltag. Stationär heißt: in einer Fachklinik, dort in der Regel acht bis zwölf Wochen.
Stationär passt eher, wenn dir zu Hause Halt fehlt. Ambulant passt, wenn dein Umfeld dich trägt und du es schaffst, in dieser Zeit nicht zu spielen.
So steht es in den Empfehlungen, auf die sich Kranken- und Rentenversicherung 2001 für die Reha bei krankhaftem Glücksspiel geeinigt haben.
Wer bezahlt die Behandlung?
Die Reha bezahlt meist die Rentenversicherung, wenn du ihre Voraussetzungen erfüllst, sonst die Krankenkasse.
Was hilft am besten?
Am besten belegt ist laut WHO die Wirkung kognitiver Verhaltenstherapie, auch über längere Zeit. Ebenso die motivierende Gesprächsführung, eine Gesprächsmethode, die die eigene Entscheidung zum Aufhören stärkt.
Nach Angaben der Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW kommen mehr als 60 % derer, die eine Behandlung abschließen, von der Sucht los.
Wenn Schulden dazukommen
Hast du Schulden durch das Spielen, leih dir kein Geld, um Verluste auszugleichen. Geh stattdessen zu einer Schuldnerberatung, möglichst bevor Mahnungen kommen.
Anerkannte Beratungsstellen findest du anonym über vz-schuldnerberatung.de. Viele beraten kostenlos, etwa die der Caritas. Eine bundesweit einheitliche Regel, wer die Beratung bezahlt, gibt es aber nicht. Frag deshalb vor dem ersten Termin nach den Kosten.
Für Angehörige
Spielt jemand, der dir nahesteht, und hört nicht auf, bist du nicht allein damit. Auf check-dein-spiel.de gibt es einen eigenen Bereich für Angehörige, mit Online- und Telefonberatung, Hilfe vor Ort und dem Programm „Time Out“. Es richtet sich an dich, nicht an den Spieler.
Reicht Reden nicht mehr, kannst du die Person beim Regierungspräsidium Darmstadt sperren lassen. Was du für eine solche Fremdsperre belegen musst, erklärt unser Ratgeber zur Spielersperre.
Werkzeuge, die bremsen
Bei erlaubten Anbietern hast du drei davon, und zu jedem findest du bei uns eine Anleitung:
- Das Einzahlungslimit deckelt, was du im Monat bei allen Anbietern zusammen einzahlst.
- Die Spielersperre sperrt dich bei fast allen Angeboten, online wie in Spielhallen und Spielbanken, für mindestens drei Monate.
- Der Panik-Button verschafft dir mit einem Klick einen Tag Pause.
Keines davon ersetzt ein Gespräch. Sie verschaffen dir Zeit, es zu führen.
Bevor du spielst
- Leg ein Budget fest, dessen Verlust du verkraften kannst, und zahl nicht nach.
- Leg auch eine Zeit fest. Bei einem Spin alle fünf Sekunden ist eine Stunde schnell vorbei.
- Spiel nicht, wenn du getrunken hast oder unter Stress stehst, und nie mit Geld, das du eigentlich brauchst.
- Brauchst du keine 1.000 € im Monat, setz dein Einzahlungslimit niedriger. Das wirkt sofort.
Quellen
Änderungsprotokoll
- Für Handys neu gegliedert: kürzere Absätze, Zwischenfragen, Diagnoseschlüssel als Liste.
- Diagnoseschlüssel ergänzt: F63.0 (ICD-10-GM) und 6C50 (ICD-11). Anzeichen im Einstieg, WHO-Aussage zur Behandlung und Diagnoseschlüssel präzisiert; Spielersperre „fast überall“.
- Abschnitt zur Behandlung an die Quelle angepasst: Bezahlt wird meist von Rentenversicherung oder Krankenkasse, beantragen hilft die Beratungsstelle.
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- Ausgebaut: was Spielsucht ist, wie verbreitet sie ist, Behandlung und Kostenträger, Schulden.
- Erstveröffentlichung.
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