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Spielerschutz · Ratgeber

Gewinn nicht ausgezahlt: Was du tun kannst

Wird dein Gewinn nicht ausgezahlt und hat der Anbieter eine deutsche Erlaubnis, forderst du ihn schriftlich mit Frist ein, meldest den Verstoß der zuständigen Aufsicht und klagst notfalls.

Dein Anspruch ist so verbindlich wie ein Anspruch aus jedem anderen Vertrag. Bei Online-Automaten, Online-Poker und Sportwetten steht für die Auszahlung sogar eine Bankbürgschaft gerade.

Ohne deutsche Erlaubnis gibt es keinen wirksamen Vertrag und damit keinen Anspruch auf den Gewinn. Geld zurück kann es dort trotzdem geben, und zwar deine Verluste. Wie es damit weitergeht, entscheidet der Bundesgerichtshof am 28. Januar 2027.

Smartphone mit Kartentisch, ein Jeton soll zur Bankkarte, eine Schranke hält ihn auf, daneben Richterhammer und Brief
  • §§ 762, 763 BGB
  • BGH-Urteil: 28.01.2027
Von Moritz Scharf Aktualisiert am

Geprüft am Rechtsstand: § 4c GlüStV 2021 · §§ 762, 763 BGB · § 285 StGB · EuGH C-440/23 (Stand 10/2026)

Drei Fälle, drei Antworten

  • Gewinn bei einem Anbieter mit deutscher Erlaubnis Erlaubt Der Spielvertrag ist verbindlich. Den Gewinn kannst du einfordern und notfalls einklagen. § 763 BGB entsprechend
  • Gewinn bei einem Anbieter ohne deutsche Erlaubnis Verboten Kein wirksamer Vertrag, kein Anspruch auf den Gewinn. Spielen dort kann für dich strafbar sein. § 762 BGB · § 285 StGB
  • Verluste bei einem Anbieter ohne Erlaubnis zurückfordern Offen Viele Gerichte haben Spielern recht gegeben. Der BGH entscheidet die Grundsatzfrage am 28. Januar 2027. BGH I ZR 216/25
  • Erlaubt
  • Verboten
  • Offen

Stand:

Gewinn nicht ausgezahlt bei einem erlaubten Anbieter

Meistens hängt die Auszahlung an einer Prüfung. Ausgewiesen hast du dich zwar schon bei der Anmeldung, bei größeren Beträgen fragen Anbieter aber oft noch einmal nach, zum Beispiel, woher dein Geld stammt. Dazu verpflichtet sie das Geldwäschegesetz.

Zahlt der Anbieter auch danach nicht, bist du in einer guten Lage. Ein Spielvertrag mit einem staatlich erlaubten Anbieter ist verbindlich, so steht es in der Kommentarliteratur zu § 763 BGB. Was erlaubt gespielt wurde, muss auch ausgezahlt werden.

Und wenn das Geld da ist: Ob das Finanzamt etwas davon will, klärt unser Steuer-Ratgeber.

So gehst du vor

  1. Schritt 1: Nachsehen, was fehlt

    Schau in dein Kundenkonto und in die Nachrichten des Anbieters. Oft wartet er auf einen Ausweis, einen Adressnachweis oder einen Beleg, woher dein Geld kommt.

  2. Schritt 2: Schriftlich fordern, mit Frist

    Schreib dem Anbieter per E-Mail: welcher Betrag, seit wann, und bis zu welchem Datum du die Auszahlung erwartest, zum Beispiel in zwei Wochen. Heb alles auf: Screenshots vom Kontostand, die Nachrichten, deine Spielhistorie.

  3. Schritt 3: Die Aufsicht informieren

    Bei Online-Automaten, Poker und Sportwetten ist das die GGL. Deinen Streit entscheidet sie nicht, und Geld treibt sie für dich auch nicht ein. Erfüllt ein Anbieter seine Pflichten nicht, ist das für die Aufsicht trotzdem von Interesse.

  4. Schritt 4: Beim Europäischen Verbraucherzentrum fragen

    Sitzt der Anbieter in einem anderen EU-Land, etwa auf Malta, hilft das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland kostenlos bei Streit mit Unternehmen im EU-Ausland.

  5. Schritt 5: Klagen, bevor es verjährt

    Einen Anbieter mit Sitz in einem anderen EU-Land kannst du als Verbraucher in der Regel an deinem Wohnort verklagen (Art. 18 Brüssel-Ia-Verordnung). Zeit hast du grundsätzlich drei Jahre, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und du davon wusstest (§§ 195, 199 BGB).

Was die Bankbürgschaft bedeutet

Sie sichert deinen Gewinn ab, wenn ein Anbieter pleitegeht oder vom Markt verschwindet. Eine Garantie für jeden Euro ist sie aber nicht.

Wer in Deutschland Online-Automaten, Online-Poker oder Sportwetten anbieten will, muss vorher eine Bankbürgschaft stellen: mindestens 5 Millionen €, je nach Umsatz bis zu 50 Millionen € (§ 4c Abs. 3 GlüStV 2021).

Sie sichert ausdrücklich die Auszahlungsansprüche der Spieler, daneben Forderungen des Staates. Ob die Summe im Ernstfall für alle reicht, hängt davon ab, wie viel offen ist.

Wenn der Anbieter keine deutsche Erlaubnis hat

Dann sieht es schlecht aus. Ohne gültige deutsche Erlaubnis gibt es keinen wirksamen Vertrag, schreibt das Europäische Verbraucherzentrum, und damit keinen Anspruch auf eine Auszahlung.

Dazu passt das BGB: Aus Spiel und Wette entsteht nur dann eine Forderung, die du einklagen kannst, wenn das Spiel staatlich erlaubt ist (§§ 762, 763 BGB). Ob ein Anbieter eine Erlaubnis hat, zeigt dir die GGL-Whitelist.

Außerdem hast du dich womöglich selbst strafbar gemacht (§ 285 StGB). Mit dieser Vorgeschichte vor Gericht einen Gewinn einzufordern, ist ungefähr so aussichtsreich, wie es klingt.

Was aus deinen Verlusten wird

Ist der Vertrag nichtig, gilt das nach Ansicht vieler Gerichte in beide Richtungen: Der Anbieter muss keinen Gewinn auszahlen, durfte aber auch deine Einsätze nicht behalten.

Viele Spieler haben deshalb Verluste bei Anbietern ohne Erlaubnis zurückgefordert und oft recht bekommen.

Hilft dem Anbieter seine Lizenz aus Malta?

Nein. Der Europäische Gerichtshof hat am 16. April 2026 entschieden, dass das frühere deutsche Verbot von Online-Casinos mit EU-Recht vereinbar war und eine Lizenz aus Malta daran nichts ändert (C-440/23).

Darauf hatten sich die Anbieter berufen. Ob ein Spieler sein Geld zurückbekommt, richtet sich nach deutschem Recht.

Wann entscheidet der BGH?

Am 28. Januar 2027. Der Bundesgerichtshof klärt die Frage in einem Leitentscheidungsverfahren, das die Frage für die vielen ähnlichen Fälle klären soll (I ZR 216/25), verhandelt hat er am 17. September 2026. Welche Richtung der Senat dabei erkennen ließ, fassen wir in der Meldung zur Verhandlung zusammen.

Es geht unter anderem um diese Fragen:

  • ob die Verträge nichtig sind,
  • ob jemand, der selbst verbotswidrig gespielt hat, sein Geld trotzdem zurückverlangen kann (§ 817 Satz 2 BGB),
  • wann solche Ansprüche verjähren.

Für Sportwetten läuft ein eigenes Verfahren beim EuGH (C-530/24). Alle Termine der laufenden Verfahren zeigt unsere Liste der Gerichtsurteile.

Und wenn ich vor Gericht gewinne?

Dann ist das noch kein Geld auf dem Konto: Malta will solche Urteile mit seiner „Bill 55“ nicht anerkennen. Ob das mit EU-Recht vereinbar ist, könnte der EuGH am 19. November 2026 klären, mehr in unserer Meldung zum Urteilstermin.

Eine Verfahrensfrage hat der EuGH in einem österreichischen Fall schon geklärt (C-198/24, Urteil vom 21. Mai 2026). Beantragt ein Spieler, Konten des Anbieters in anderen EU-Ländern vorläufig zu pfänden, darf das Gericht berücksichtigen, dass ein Gesetz wie das maltesische die Vollstreckung behindern kann.

Quellen

Änderungsprotokoll

  1. Für Handys neu gegliedert: kürzere Absätze, Zwischenfragen zur Malta-Lizenz, zum BGH-Termin und zu gewonnenen Urteilen, offene BGH-Fragen als Liste.
  2. Bill 55 auf einen Satz und Verweis gekürzt; Aufsicht und Strafbarkeit präzisiert.
  3. Urteilstermin des EuGH zu Maltas „Bill 55“ ergänzt (19. November 2026, C-683/24).
Ältere Änderungen anzeigen (3)
  1. Bankbürgschaft genauer: Sie gilt bei Online-Automaten, Online-Poker und Sportwetten (§ 4c Abs. 3 GlüStV 2021). Sprachliche Korrekturen.
  2. Rechtslage zu Verlusten vorsichtiger formuliert, EuGH-Urteil C-198/24 zur Kontopfändung ergänzt.
  3. Erstveröffentlichung.