
Mindestalter Glücksspiel: ab 18 oder 21?
Wo 18 reicht und wo du 21 sein musst: Spielbank, Spielhalle, Wettbüro und online, mit dem Mindestalter für die Spielbanken aller 16 Länder.
Geprüft 27.10.2026
Magazin · Spielerschutz
Wie viele Spielsüchtige in Deutschland leben, beantworten die zwei aktuellen Umfragen sehr verschieden: mit 2,2 % oder mit 0,25 % der Menschen bis 70.
Der Abstand kommt vor allem von der Befragung, nur am Telefon oder auch online. Das zeigt die größere Studie selbst.
Geprüft am Rechtsstand: Glücksspiel-Survey 2025 · forsa-Glücksspielsurvey 2026 · Deutsche Suchthilfestatistik 2024
Auf einen Blick
Beide berufen sich auf dieselbe Reihe. Von 2007 bis 2019 ließ die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) siebenmal erheben, wie in Deutschland gespielt wird. Gefragt hat jedes Mal das Institut forsa.
Seit 2021 führen das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) in Hamburg und die Universität Bremen den Glücksspiel-Survey fort, mit neuer Methode. Die Ausgabe 2025 hat der Deutsche Lotto- und Totoblock bezahlt, der Verbund der Lottogesellschaften der Länder.
forsa fragt seit 2024 wieder auf die alte Art, unter dem Namen „Glücksspielsurvey“. Bezahlt hat das nach fünf Jahren Pause der Verband der Deutschen Automatenindustrie (VDAI). In ihm haben sich Hersteller, Großhändler und Importeure von Unterhaltungsautomaten zusammengeschlossen.
| Bezahlt von | Survey: Deutscher Lotto- und Totoblock forsa: VDAI |
|---|---|
| Befragt | Survey: 12.340 Menschen, August bis November 2025 forsa: 11.500 Menschen, März bis Mai 2026 |
| Befragung | Survey: Telefon und online forsa: nur Telefon |
| Fragebogen | Survey: DSM-5 forsa: SOGS |
| Ergebnis | Survey: 2,2 % mit Glücksspielstörung (18 bis 70) forsa: 0,25 % wahrscheinlich pathologisch, 0,40 % problematisch |
Beide fragen nach den letzten zwölf Monaten, aber mit anderen Listen. Das DSM-5 ist das Diagnosehandbuch der amerikanischen Psychiater. Es nennt neun Kriterien, etwa Verlusten hinterherjagen oder andere über das Spielen belügen.
Wer vier oder mehr erfüllt, hat nach dem Survey eine Glücksspielstörung: leicht bei vier bis fünf, mittel bei sechs bis sieben, schwer bei acht bis neun Kriterien.
Der SOGS (South Oaks Gambling Screen) hat 20 Fragen mit je einem Punkt. Ab fünf Punkten gilt jemand als wahrscheinlich pathologisch, bei drei oder vier als problematisch.
Der Survey befragt zwei Gruppen: 8.006 Menschen am Telefon, über Festnetz und Handy, und 4.334 Menschen aus Online-Panels. Das sind Gruppen von Leuten, die sich angemeldet haben, um im Internet an Umfragen teilzunehmen.
Im Anhang des Berichts sind beide Gruppen getrennt ausgewertet. Der Unterschied ist groß:
| Telefon | Online | |
|---|---|---|
| Gespielt in den letzten zwölf Monaten | 23,6 % | 62,1 % |
| Glücksspielstörung 18 bis 70 Jahre | 0,6 % | 5,2 % |
| davon schwer 8 oder 9 Kriterien | 0,2 % | 1,6 % |
| Riskant Alkohol zum Vergleich | 24,0 % | 24,3 % |
Für das Gesamtergebnis zählen die Telefonbefragten zu zwei Dritteln, die Online-Befragten zu einem Drittel. So entstehen die 2,2 %.
forsa fragt nur am Telefon. Problematisch und wahrscheinlich pathologisch zusammen ergeben dort 0,65 %. Das liegt nah an den 0,6 % der Telefongruppe im Survey, obwohl beide Umfragen andere Fragebögen nutzen.
Weil reine Telefonumfragen Schwächen haben, schreiben die Autoren: Immer weniger Menschen machen mit, und bei heiklen Fragen antworten manche so, wie es gut ankommt.
Am Telefon kam 2025 nur etwa jedes vierte geplante Interview zustande (Ausschöpfung 24,3 %). Seit 2021 ergänzt der Survey deshalb die Telefoninterviews um Online-Befragte.
Wohl nur zum kleineren Teil. Der Survey hat denselben Menschen einen zweiten, international verbreiteten Fragebogen vorgelegt, den PGSI. Danach spielen 2,0 % problematisch, kaum weniger als die 2,2 % nach DSM-5.
Online liegt der Anteil mit Störung dagegen fast neunmal so hoch wie am Telefon.
Das kann keine der Umfragen sicher sagen. Beide Methoden haben Schwächen, und die Forscher nennen sie selbst:
Die Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stützt sich in ihrem Tätigkeitsbericht 2025 auf den Survey. Hochgerechnet sind das rund 1,25 Mio. Menschen. Mehr Zahlen dazu stehen auf unserer Seite Glücksspielmarkt in Deutschland.
Beide Geldgeber gehören zum Glücksspielmarkt: die Lottogesellschaften mit dem Lotto, die Mitglieder des VDAI mit ihren Automaten.
Die Autoren des Survey schreiben, alle Entscheidungen über Methode und Auswertung lägen allein bei ihnen. forsa stellt die Daten seiner Umfrage Forschern im GESIS-Datenarchiv kostenlos zur Verfügung.
Dass eine Zahl deshalb falsch ist, folgt daraus nicht. Nennt ein Text nur eine der beiden Zahlen, lohnt aber der Blick, woher sie stammt.
Das lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Der Sprung auf über 2 % fällt genau auf 2021, als der Survey Befragung und Fragebogen wechselte. Ein Vergleich mit den Umfragen bis 2019 sei deshalb nur eingeschränkt möglich, schreiben die Autoren.
| Jahr | Survey | BZgA/forsa |
|---|---|---|
| 2019 | – | 0,34 % |
| 2021 | 2,3 % | – |
| 2023 | 2,4 % | – |
| 2024 | – | 0,28 % |
| 2025 | 2,2 % | – |
| 2026 | – | 0,25 % |
Survey: Glücksspielstörung nach DSM-5, Telefon und online. BZgA/forsa: wahrscheinlich pathologisch nach SOGS, nur Telefon.
Innerhalb jeder Reihe ändert sich zuletzt wenig. forsa findet für die wahrscheinlich pathologischen Fälle seit 2009 keinen klaren Trend, für die leichteren Stufen einen Rückgang.
Eine dritte Quelle fragt nicht die Bevölkerung, sondern zählt Betreuungen: die Deutsche Suchthilfestatistik. Für 2024 haben 878 ambulante und 158 stationäre Einrichtungen ihre Daten geliefert.
Glücksspiel war der Anlass für rund 3 % der 323.478 ambulanten Betreuungen und 2 % der 38.045 stationären Behandlungen. Pro ambulanter Einrichtung hat sich die Zahl der Glücksspiel-Fälle seit 2017 etwa halbiert, von 11,3 auf 5,6.
Als Hauptproblem nennen die ambulant Betreuten am häufigsten:
Diese Zahlen zeigen, wer Hilfe sucht, nicht wie viele Menschen Hilfe bräuchten. Außerdem macht nur ein Teil der Einrichtungen mit, ambulant geschätzt gut drei Viertel.
Ob du selbst ein Problem hast, sagt dir keine Statistik, sondern dein eigenes Spiel. Die Warnzeichen und die Stellen, die dir helfen, stehen auf unserer Seite zu Spielsucht.
Bei welchen Spielen Probleme am häufigsten sind, zeigt der Ratgeber zu Spielautomaten.