Zum Inhalt springen

18+ Glücksspiel kann süchtig machen. Hilfe: 0800 1 37 27 00 (kostenlos)

Magazin · Regulierung

Warum ist Online Roulette verboten?

Weil Online-Roulette Ländersache ist: Jedes Land entscheidet selbst, ob es Online-Casinospiele zulässt (§ 22c GlüStV 2021).

Konzessionen oder ein eigenes Angebot gibt es bisher nur in Schleswig-Holstein und Bayern, und 2025 spielte man laut GGL nur in Bayern tatsächlich. Online-Automaten darf dagegen bundesweit anbieten, wer eine Erlaubnis der GGL hat.

Laptop mit Online-Roulette hinter Schranke und Schloss, daneben ein Roulettetisch unter einer Lampe hinter einer Kordel
  • § 22c GlüStV 2021
Von Moritz Scharf Aktualisiert am

Geprüft am Rechtsstand: §§ 3, 22c, 29 GlüStV 2021 · §§ 33c, 33h GewO

Automaten sind Gewerbe, Roulette ist Spielbank

Dahinter steht eine Arbeitsteilung, die älter ist als das Internet. Automaten sind Gewerbe und bundesweit geregelt, Roulette gehört in die Spielbank, und Spielbanken sind Ländersache.

Wer einen Geldspielautomaten aufstellen will, in einer Spielhalle oder in einer Kneipe, braucht eine gewerberechtliche Erlaubnis (§ 33c GewO). Für Spielbanken gelten diese Regeln ausdrücklich nicht (§ 33h GewO).

Roulette, Blackjack und Baccarat gibt es nur dort. Welche Spielbanken es gibt und wer sie betreibt, bestimmen die Länder. Dass viele davon in Kurorten stehen, hat eine eigene Geschichte.

Was zählt als Online-Casinospiel?

Ein Bankhalterspiel im Netz, bei dem du gegen das Haus spielst: am Bildschirm nachgebaut oder live aus einem echten Saal übertragen (§ 3 Abs. 1a). Online-Roulette und Online-Blackjack gehören dazu.

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat die alte Aufteilung damit ins Netz übertragen. Virtuelle Automatenspiele sind laut Gesetz „Nachbildungen terrestrischer Automatenspiele“, also das Gegenstück zur Spielhalle, und bekommen eine bundesweite Erlaubnis der GGL.

Online-Poker ebenfalls. Dort gibt es keinen Bankhalter: Du spielst gegen andere am Tisch, nicht gegen das Haus. Für Online-Casinospiele gilt dagegen § 22c, und der gibt die Sache an die Länder zurück.

Was § 22c den Ländern erlaubt

Jedes Land entscheidet selbst, ob es Online-Casinospiele überhaupt zulässt. Wenn ja, hat es zwei Wege:

  • Selbst anbieten, über eine eigene Gesellschaft oder eine, an der die öffentliche Hand maßgeblich beteiligt ist.
  • Konzessionen vergeben, befristet und höchstens so viele, wie es nach seinem Spielbankenrecht Spielbank-Konzessionen vergeben konnte, und zwar mit Stand vom 17. Januar 2020.

Das Datum steht wirklich im Gesetz. Wer später neue Spielbanken zulässt, bekommt dadurch keine zusätzlichen Online-Konzessionen.

Verboten ist außerdem, Automaten aus einer Spielbank oder Spielhalle per Livestream ins Netz zu übertragen und dort mitspielen zu lassen (§ 22c Abs. 4).

Gilt eine Konzession in ganz Deutschland?

Nein, nur in den Ländern, die sie erteilt haben. Länder dürfen sich zusammentun und gemeinsame Konzessionen vergeben, aber auch die gelten nur in ihrem Gebiet. Wer sich nicht daran hält, verliert die Konzession (§ 22c Abs. 3).

Schleswig-Holsteins Sonderweg

Dass ausgerechnet Schleswig-Holstein vorn liegt, hat eine Vorgeschichte. Vom 1. Januar 2012 bis zum 8. Februar 2013 hatte das Land ein eigenes, deutlich liberaleres Glücksspielrecht, während anderswo das Online-Verbot galt.

In dieser Zeit erteilte es Lizenzen für Glücksspiel im Internet. Die blieben nach dem Kurswechsel noch jahrelang gültig.

Hat das die Verbote der anderen Länder gekippt?

Nein, entschied der Europäische Gerichtshof 2014 (C-156/13). Ein Sonderweg von weniger als 14 Monaten in einem einzigen Land mache die strengere Linie der übrigen Länder nicht inkohärent.

Als 2021 der neue Staatsvertrag kam, durften die Erlaubnisse aus Kiel übergangsweise weitergelten, nur für Schleswig-Holstein und bis zur Entscheidung über neue (§ 29 Abs. 7). Heute führt die Whitelist für das Land vier Konzessionen für Online-Casinospiele.

Gestartet hatte 2025 noch keiner der vier Konzessionsinhaber, so der Tätigkeitsbericht der GGL. Online-Casinospiele gab es in dem Jahr nur in Bayern, angeboten von der staatlichen Spielbankverwaltung seit Frühjahr 2024.

Schleswig-Holstein Vier private Konzessionen, gültig nur im Land. 2025 hatte laut GGL noch keiner der Inhaber sein Angebot gestartet
Bayern Staatliches Angebot über die eigene Spielbankverwaltung, seit Frühjahr 2024
Baden-Württemberg Gesetz vom 25. Februar 2025: nur das Land selbst oder eine Gesellschaft, an der die öffentliche Hand maßgeblich beteiligt ist, und nur für Spieler mit Wohnsitz im Land. Im Dezember 2025 noch nicht gestartet, im Oktober 2026 noch nicht auf der Whitelist
Nordrhein-Westfalen Gesetz seit 2022, im Juli 2026 geändert: bis zu fünf Konzessionen für je zehn Jahre, auch für Private. Im Oktober 2026 noch keine auf der Whitelist
Die übrigen zwölf Länder Kein Angebot auf der Whitelist

Stand: GGL-Whitelist vom 2. Oktober 2026 (eigene Auszählung), die Landesgesetze und der GGL-Tätigkeitsbericht 2025.

Warum Baden-Württemberg nur staatlich anbieten will

Baden-Württembergs Landesregierung hat ihre Gründe im Dezember 2025 auf eine Anfrage im Landtag erklärt:

  • Das Suchtpotenzial von Online-Casinospielen sei höher als bei Lotterien, egal wer sie anbiete.
  • Ein einziger staatlicher Anbieter lasse sich am besten überwachen.
  • Er solle eine sichere Alternative zu den illegalen Seiten sein.

Zwei Zahlen aus derselben Antwort

In der Antwort stehen zwei Zahlen, die man nebeneinanderlegen muss:

  • 500 bis 600 Mio. € Marktvolumen, bundesweit, nach grober Schätzung der GGL. Gemeint sind die 838 deutschsprachigen illegalen Seiten mit Casino- und Automatenspielen, die sie kennt.
  • Ein niedriger sechsstelliger Betrag: So viel Bruttospielertrag erwartet Baden-Württemberg zum Start von seinem eigenen Angebot. Gemeint sind Einsätze minus Gewinne.

Der Vergleich hinkt, weil das eine ganz Deutschland betrifft und das andere ein Land. Wie viel Weg bis zur Kanalisierung bleibt, also bis die Spieler legal statt illegal spielen, zeigt er trotzdem.

Was das für dich bedeutet

Außerhalb von Schleswig-Holstein und Bayern gibt es derzeit kein legales Online-Roulette, kein Online-Blackjack und kein Live-Casino.

Eine maltesische Lizenz macht ein solches Angebot nicht legal. Wer dort trotzdem spielt, riskiert eine Strafe (§ 285 StGB).

Für welches Spiel und welches Gebiet ein Anbieter eine Erlaubnis hat, verrät die Whitelist, die amtliche Liste der GGL. Wie du sie liest, erklärt unser Ratgeber zur GGL-Whitelist.

Am echten Kessel sieht es anders aus. Wo du Roulette ohne Internet legal spielen kannst und was dich die grüne Null kostet, zeigt der Ratgeber zu den Roulette-Wahrscheinlichkeiten.

Quellen