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Magazin · Regulierung

Spielbankabgabe: Was Spielbanken dem Land zahlen

Die Spielbankabgabe legt jedes Land selbst fest. In der untersten Stufe sind es 25 % bis 55 % dessen, was die Spieler verlieren, in der höchsten bis zu 80 %.

Dazu kommen fast überall weitere Abgaben. Seit 2024 soll eine Ausgleichsabgabe sicherstellen, dass keine Spielbank weniger zahlt als bei normaler Besteuerung.

Aus einer Spielbank mit Roulettekessel fließt ein Strom aus Jetons, der sich in drei unterschiedlich breite Wege zu Regierungsgebäude, Rathaus und Park teilt
Von Moritz Scharf Aktualisiert am

Geprüft am Rechtsstand: Spielbankgesetze der 16 Länder (Stand 01.11.2026) · Beschluss (EU) 2025/317

unterste Stufe der Spielbankabgabe
25–55 %
je nach Land, vom Bruttospielertrag
höchste Stufe
80 %
Mecklenburg-Vorpommern, über 10 Mio. € im Jahr
Länder mit Ausgleichsabgabe im Gesetz
16
in Hessen heißt sie Mindestbesteuerung

Spielbankgesetze der Länder, Stand 1. November 2026

Warum Spielbanken eine eigene Abgabe zahlen

Spielbanken zahlen keine Gewerbesteuer, keine Körperschaft- oder Einkommensteuer und keine örtliche Vergnügungsteuer. An deren Stelle treten die Spielbankabgabe und weitere Leistungen, so beschreibt es die Thüringer Landesregierung.

Die Befreiung von Bundessteuern geht auf eine Verordnung über öffentliche Spielbanken von 1938 zurück. Die Landesgesetze verweisen bis heute darauf, etwa § 39 des Landesglücksspielgesetzes in Baden-Württemberg.

Bemessen wird die Abgabe am Bruttospielertrag: Einsätze minus ausgezahlte Gewinne. Die Umsatzsteuer, die eine Spielbank zahlt, ziehen die meisten Länder von der Abgabe ab.

Was sind „weitere Leistungen“?

Zusätzliche Prozente vom Bruttospielertrag oder ein Anteil am Gewinn des Betreibers. Baden-Württemberg verlangt neben der Abgabe 15 % des Bruttospielertrags und 95 % des bereinigten Jahresergebnisses.

Hessen erhebt neben der Spielbankabgabe zusätzliche Leistungen von 40 % bis 50 %. Zusammen sind es dort in jeder Stufe 75 %.

Spielbankabgabe nach Bundesland

Die Prozente beziehen sich auf den Bruttospielertrag eines Jahres, die Angaben zum Gewinn auf das Jahresergebnis des Betreibers. Dazu kann in fast allen Ländern die Ausgleichsabgabe kommen.

Spielbankabgabe und weitere Abgaben, Stand 1. November 2026
Land und SpielbankabgabeDazu
Baden-Württemberg
30 %, über 25 Mio. € 35 %
15 % weitere Leistung, 95 % des Gewinns
Bayern
25 %, über 25 Mio. € 30 %
keine, der Freistaat betreibt selbst
Berlin
30 %, über 10 Mio. € 35 %
10 % bis 15 % weitere Leistung, 85 % bis 91 % des Gewinns
Brandenburg
25 % bis 60 % in fünf Stufen
keine
Bremen
30 %
20 % weitere Leistung
Hamburg
55 %
25 % Sonderabgabe, dazu die Hälfte des übrigen Gewinns
Hessen
25 % bis 35 % in drei Stufen
50 % bis 40 % zusätzlich
Mecklenburg-Vorpommern
25 % bis 80 % in fünf Stufen
50 % des Gewinns
Niedersachsen
50 % nach Freibeträgen je Spieltag
10 % bis 25 % Zusatzabgabe, Abgabe auf den Gewinn
Nordrhein-Westfalen
30 %, über 15 Mio. € 40 %
15 % zusätzlich, 35 % des Gewinns
Rheinland-Pfalz
40 % auf alles über 1,5 Mio. €
10 % bis 40 % weitere Leistung, 50 % bis 85 % des Gewinns
Saarland
27 %, über 45 Mio. € 37 %
12 % weitere Leistung, 50 % bis 80 % des Gewinns
Sachsen
35 % bis 55 % in vier Stufen
50 % bis 85 % des Gewinns
Sachsen-Anhalt
25 % bis 50 % in vier Stufen
40 % des Gewinns
Schleswig-Holstein
30 %, über 10 Mio. € 40 %
10 % bis 15 % auf Automaten
Thüringen
keine Spielbank geöffnet
–

Die Grenzen gelten je nach Land für jede Spielbank einzeln oder für alle Häuser eines Betreibers zusammen. Viele Länder dürfen die Sätze senken, etwa für neu eröffnete Häuser. Die Fundstellen stehen unten auf der Seite.

Wo ist die Abgabe am höchsten?

Auf dem Papier in Hamburg: 55 % vom ersten Euro an, dazu 25 % Sonderabgabe, solange dem Betreiber ein Gewinn von 2,5 % des Bruttospielertrags bleibt.

Die höchste einzelne Stufe hat Mecklenburg-Vorpommern: 80 % auf alles, was eine Spielbank im Jahr über 10 Mio. € einnimmt.

Warum die EU eingegriffen hat

Im Juni 2024 hat die EU-Kommission die Sonderregeln aller 16 Länder als staatliche Beihilfen eingestuft. Deutschland habe sie eingeführt, ohne die Pflicht zu beachten, Beihilfen vorher bei der Kommission anzumelden (Art. 108 Abs. 3 AEUV).

Das Argument: Die Abgaben könnten in manchen Fällen niedriger ausfallen als die normalen Steuern. Dieser mögliche Vorteil gegenüber anderen Unternehmen, besonders gegenüber Spielhallen, sei nicht gerechtfertigt. Ob er sich tatsächlich verwirklicht, sei unerheblich.

Spätestens für das Steuerjahr 2025 musste Deutschland neue Regeln in Kraft setzen. So geben es die Landtagsdrucksachen aus Niedersachsen und Thüringen wieder, die den Beschluss (EU) 2025/317 zitieren.

Was ist die Ausgleichsabgabe?

Eine Vergleichsrechnung für jedes Jahr: Die Spielbank rechnet aus, was sie ohne ihre Steuerbefreiungen zahlen müsste, mit dem höchsten Ertragsteuersatz und der örtlichen Vergnügungsteuer. Liegt das über ihren Abgaben, zahlt sie die Differenz.

Hamburg hatte die Regel schon zum 1. Januar 2024 eingeführt, die Kommission wertete die Hamburger Fassung deshalb nicht mehr als Beihilfe. Die anderen Länder haben nachgezogen, inzwischen steht sie in allen 16 Landesgesetzen. In Hessen heißt sie Mindestbesteuerung.

In Niedersachsen gilt sie seit dem 1. Januar 2025. Die Regierungsfraktionen rechneten 2024 nur bei sehr niedrigen Erträgen damit, dass sie anfällt, etwa nach einem Betreiberwechsel.

Thüringen hat sein Gesetz im September 2025 geändert, rückwirkend zum 1. Januar 2025, obwohl dort seit 2014 keine Spielbank mehr geöffnet hat (warum).

Wohin das Geld fließt

Ein Teil geht an die Gemeinden, in denen die Spielbanken stehen. Für den Rest schreiben viele Gesetze einen Zweck vor:

  • Bayern und Sachsen: gemeinnützige Zwecke nach dem Haushaltsplan
  • Baden-Württemberg: mindestens die Hälfte für Staatsbäder, Tourismus, Kultur und Denkmäler, einen Infrastrukturfonds und weitere gemeinnützige Zwecke
  • Mecklenburg-Vorpommern: soziale und kulturelle Zwecke
  • Nordrhein-Westfalen: ein im Haushalt festgelegter Betrag für die Stiftung Wohlfahrtspflege
  • Saarland: gemeinnützige und öffentliche Zwecke
  • Schleswig-Holstein: gemeinnützige Zwecke, Hilfe für Spielsüchtige, Sport und Jugendpflege

Wie viel bekommt die Spielbankgemeinde?

In Bayern und Brandenburg höchstens 15 % des Bruttospielertrags, in Mecklenburg-Vorpommern 15 % der Abgaben. Rheinland-Pfalz deckelt den Anteil bei 125 € je Einwohner.

Dass Kurorte am Spielbankgeld hängen, hat eine lange Geschichte. Sie steht in unserem Stück über Spielbanken in Kurorten.

Was das für dich als Spieler heißt

Die Abgaben zahlt die Spielbank aus dem, was ihre Gäste verlieren. Deine Gewinne bleiben steuerfrei, warum, erklärt unser Ratgeber zu Gewinnen und Steuern.

Was am Eingang gilt und an welchen Tagen die Spielbank in deinem Land geschlossen hat, zeigt unser Ratgeber Spielbanken in Deutschland.

Quellen