
Spielbankabgabe: Was Spielbanken dem Land zahlen
Je nach Land 25 % bis 55 % in der untersten Stufe, bis zu 80 % in der höchsten: was Spielbanken abgeben, warum die EU eingegriffen hat und wohin …
Geprüft 1.11.2026
Magazin · Regulierung
Die Spielbank Erfurt hat Ende November 2014 geschlossen. Seitdem gibt es in Thüringen keine Spielbank.
Laut Landesregierung konnte der Betreiber die Abgaben von Anfang an nicht erwirtschaften. Nach zehn Jahren lief seine Erlaubnis aus, eine neue gab es nicht. Seit 2022 dürfte nur das Land eine Spielbank führen.
Geprüft am Rechtsstand: Thüringer Gesetz über Spielbank und Online-Casino (ThürSpbkOCG) · Landtagsdrucksachen 2005–2025
Zeitstrahl
Eine Gesellschaft, die ganz dem Land gehört, zahlt Miete für Räume am Erfurter Theaterplatz. Einen Betreiber gibt es noch nicht.
Das Innenministerium erlaubt einem Spielbankunternehmen aus einem anderen Bundesland den Betrieb, nur im Erdgeschoss von Theaterplatz 2.
Mit Ablauf dieses Tages stellt die Spielbank den Betrieb ein.
Die Erlaubnis war auf zehn Jahre befristet, die Mietverträge liefen fest bis zu diesem Tag.
Das neue Gesetz erlaubt eine Spielbank und Online-Casinospiele nur noch dem Land selbst.
Thüringen passt seine Abgaben an die Vorgaben der EU an, mit Wirkung ab Januar 2025.
Eröffnet hat die Spielbank im Dezember 2005, im Erdgeschoss eines Hotels in der Erfurter Altstadt. Nur dort durfte sie laut Erlaubnis stehen.
Ungewöhnlich war die Konstruktion: Die Räume hatte eine landeseigene Gesellschaft gemietet, schon 2002. Der Betreiber mietete sie von ihr weiter, und die Miete lief ab Juni 2004, anderthalb Jahre vor der Eröffnung.
Bis Ende 2012 schoss das Land dieser Gesellschaft rund 2,1 Mio. € Eigenkapital zu, vor allem für die Miete. Die Einnahmen aus der Spielbank hätten das „deutlich mehr als kompensiert“, schrieb das Finanzministerium 2013.
Das Gesetz verlangte 60 % des Bruttospielertrags als Spielbankabgabe und 20 % als weitere Leistung. Für die ersten Jahre senkte eine Verordnung die Abgabe auf 30 % bis 40 %.
Ab Mai 2006 kam die Umsatzsteuer dazu, nach zwei Urteilen des Europäischen Gerichtshofs. Der Gesetzentwurf von 2010 nennt außerdem Ausweiskontrollen im Automatensaal, strengere Regeln für Werbung, das Rauchverbot ab Juli 2008 und die Konkurrenz gewerblicher Anbieter und des Internets.
| Jahr | Bruttospielertrag | Jahresergebnis |
|---|---|---|
| 2009 | – | −860.400 € |
| 2010 | 1.814.200 € | −41.800 € |
| 2011 | 1.477.400 € | −208.000 € (Prognose) |
| 2012 | 1.219.500 € | −529.000 € (Prognose) |
Die Zahlen stammen vom Betreiber selbst. Das Finanzministerium gab sie 2013 an den Landtag weiter.
Er senkte Spielbankabgabe und weitere Leistung. Nach dem Entwurf der Landesregierung sollte das rückwirkend ab Januar 2010 gelten, mit gestaffelten Sätzen ab 25 %. Die weitere Leistung sollte sich nach dem Jahresergebnis richten statt nach dem Bruttospielertrag.
Gereicht hat es nicht. Der Bruttospielertrag fiel weiter, und die Verluste wuchsen wieder.
Die Erlaubnis galt bis zum 31. Dezember 2014 und ließ sich nicht auf einen anderen Betreiber übertragen. Am selben Tag endeten die Mietverträge.
Anfang 2013 sah die Landesregierung „keinen akuten Handlungsbedarf“. Über eine neue Ausschreibung ab 2015 sei noch zu entscheiden.
Geschlossen hat die Spielbank dann schon einen Monat vor dem Ende der Erlaubnis. Eine neue Erlaubnis folgte nicht, so steht es noch im Gesetzentwurf der Landesregierung vom August 2025.
Ob das Land nach 2014 überhaupt ausgeschrieben hat, haben wir in den Landtagsdokumenten nicht gefunden.
Im März 2022 schrieb der Landtag das Gesetz um, auf Antrag von Linke, CDU, SPD und Grünen. Gegenstimmen gab es keine, AfD und FDP enthielten sich.
Seitdem heißt es „Thüringer Gesetz über Spielbank und Online-Casino“. Die Erlaubnis darf nur das Land selbst bekommen, befristet auf höchstens zehn Jahre. Betreiben darf es über Gesellschaften, die ihm ganz gehören.
Gelten kann die Erlaubnis für eine Spielbank in Erfurt und für Online-Casinospiele, also etwa Roulette im Netz. Für beides schreibt das Gesetz den Abgleich mit der Sperrdatei vor: bei jedem Betreten und vor jedem Zugangsversuch online.
2025 jedenfalls nicht: Online-Casinospiele bot laut der Glücksspielbehörde GGL nur Bayern an. Warum es Roulette im Netz sonst kaum legal gibt, steht in unserem Stück zum Online-Roulette.
Weil die EU es von allen Ländern verlangt. Das Land sei „formell verpflichtet“, schrieb die Landesregierung 2025, und führte eine Ausgleichsabgabe ein. Was die Länder von ihren Spielbanken verlangen, vergleicht unser Stück zur Spielbankabgabe.
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Beratung in Thüringen findest du in unserer Übersicht nach Bundesland.