
Spielbank Erfurt: Warum Thüringen keine hat
Seit Ende November 2014 hat Thüringen keine Spielbank. Warum das Haus in Erfurt nie wirtschaftlich lief und was das Land seit 2022 dürfte.
Geprüft 2.11.2026
Magazin · Geschichte
Spielbanken in Kurorten gibt es, weil sie dort entstanden sind und ein Gesetz von 1933 das festschrieb: Nur Kur- und Badeorte mit vielen ausländischen Gästen oder nahe einer Spielbank im Ausland durften eine haben.
Nach 1949 galt es als Landesrecht weiter. Bayern bindet Spielbanken bis heute an Bäder und Kurorte.
Geprüft am Rechtsstand: Spielbankengesetz 1933 · Art. 1 Abs. 2 SpielbG Bayern · BVerfGE 28, 119
| 18. Jahrhundert | Die ersten Spielbanken in Deutschland entstehen in Kur- und Badeorten. |
|---|---|
| 1841 | Spielbank im Kurpark von Bad Homburg. |
| 1868 | Ein Gesetz verbietet öffentliche Spielbanken, 1872 machen die letzten zu. |
| 1933 | Ein Reichsgesetz lässt sie wieder zu, aber nur in Kur- und Badeorten. |
| 1948 und 1949 | Wiesbaden und Bad Homburg öffnen wieder. |
| 1995 | Neue Spielbankgesetze in Baden-Württemberg und Bayern. Bayern schreibt die Kurort-Regel ins neue Gesetz. |
| 2026 | Auf Norderney schließt Ende Oktober die Spielbank am Kurplatz, Vermieter war das Staatsbad: die News. |
Quellen unten. Jahreszahlen ohne Tag, wo die Quellen keinen nennen.
Das „Gesetz über die Zulassung öffentlicher Spielbanken“ vom 14. Juli 1933 erlaubte dem Reichsinnenminister, Spielbanken zuzulassen. Allerdings nur in Kur- und Badeorten, und auch dort nur unter einer von zwei Bedingungen (§ 1):
Was die Spielbanken einbrachten, sollte gemeinnützigen Zwecken dienen, soweit es nach den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit nicht beim Betreiber bleiben musste.
Erlassen hat das Gesetz die nationalsozialistische Reichsregierung. Es lockerte ein Verbot, das seit 1868 galt.
Weil es auch ums Geld ging. Das Bundesverfassungsgericht nennt 1970 drei wirtschaftliche Motive des Gesetzgebers: mehr Devisen durch ausländische Gäste, mehr Fremdenverkehr und die Förderung bestimmter Kur- und Badeorte (BVerfGE 28, 119).
Den Kern des Gesetzes sah das Gericht aber woanders: Das Spiel, das sich in Kurorten nicht verhindern ließ, sollte unter staatliche Aufsicht, und die Gewinne sollten nicht in private Taschen fließen.
Die Kur- und Badeorte bekamen vom Staat einen Teil der Spielbankabgabe, um ihre Anlagen zu erhalten und auszubauen. Die Spielbank sollte also auch Gäste bringen, und ein Teil ihrer Abgabe half dem Bad.
Die ersten Spielbanken in Deutschland entstanden im 18. Jahrhundert in Kur- und Badeorten, so der Glücksspielatlas 2023.
In Wiesbaden gehörte das Spiel lange zum Kurhaus: 1810 verpachtete man es samt Spielbankmonopol für zwölf Jahre. 1832 wurden „die Kursäle nebst den Hasardspielen“, den Glücksspielen, in Bad Ems, Wiesbaden, Bad Schwalbach und Schlangenbad gemeinsam verpachtet, für 31.000 Gulden im Jahr.
In Bad Homburg eröffneten 1841 zwei französische Zwillingsbrüder eine Spielbank im Kurpark. Einer von ihnen baute später in Monaco eine Spielbank auf.
1868. Nach dem „Gesetz, betreffend die Schließung und Beschränkung der öffentlichen Spielbanken“ vom 1. Juli 1868 durften öffentliche Spielbanken weder konzessioniert noch geduldet werden. Das galt erst im Norddeutschen Bund, später im ganzen Deutschen Reich.
1872 schlossen die letzten, in Wiesbaden am 30. Dezember. Schon 1849 hatte die Nationalversammlung ein Gesetz zur Aufhebung der Spielbanken beschlossen. Als finanziellen Ausgleich erlaubte die Regierung der Stadt Wiesbaden damals unter anderem, eine Kurtaxe zu erheben.
Mit dem Grundgesetz wurde das Spielbankengesetz von 1933 Landesrecht. Wiesbaden öffnete seine Spielbank am 29. Oktober 1948 wieder, Bad Homburg 1949.
Wie eng die alte Regel war, zeigt ein Protokoll des bayerischen Ministerrats vom Juni 1951. Danach erfüllten Bad Reichenhall und Garmisch-Partenkirchen die Bedingungen von 1933. Jede weitere Spielbank hätte nach Ansicht des zuständigen Staatssekretärs ein eigenes Gesetz gebraucht.
Nicht der Bundestag als Ganzes, aber eine Gruppe von Abgeordneten. Ihr Gesetzentwurf vom Januar 1952 sah vor, das Gesetz von 1933 aufzuheben und alle zugelassenen Spielbanken bis Ende 1952 zu schließen.
Das Gesetz von 1933 blieb trotzdem in Kraft. In Baden-Württemberg galt es als Landesrecht bis zum Spielbankengesetz vom 23. Februar 1995 (BVerfGE 102, 197). Bis dahin gab es dort nur zwei Spielbanken.
In den 1970er-Jahren eröffneten viele Spielbanken außerhalb der Kur- und Badeorte, so der Glücksspielatlas 2023. Baden-Württemberg etwa erlaubte 1995 neben Baden-Baden und Konstanz auch eine Spielbank in Stuttgart.
2025 gab es in Deutschland 71 Spielbanken, 24 davon nur mit Automaten. Mehr Zahlen: Glücksspielmarkt in Zahlen.
Bayern hält an der alten Idee fest. Spielbanken dürfen dort nur in Gemeinden mit Staatsbädern stehen oder in Gemeinden, die als Heilbad, Kur- oder Erholungsort anerkannt sind (Art. 1 Abs. 2 SpielbG).
Dazu kommt eine Obergrenze: In einem Regierungsbezirk darf es höchstens eine Spielbank je eine Million Einwohner geben.
Ja, die Gemeinde mit der Spielbank bekommt einen Anteil. In Bayern sind es 15 % des Bruttospielertrags, also der Einsätze minus der Gewinne. Im Eröffnungsjahr und den vier Jahren danach sind es 10 %.
Als Grund nennt die bayerische Verordnung entgangene Steuern sowie Lasten und Vorleistungen der Gemeinde. Von Kuranlagen ist keine Rede.
In Hessen erhalten die Gemeinden mit einer Spielbank 29,375 % der Spielbankabgabe. Wie hoch die Abgabe selbst in jedem Land ist, vergleicht unser Stück zur Spielbankabgabe.
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